Hätte ich mich doch gleich nur in Musik eingeschrieben! Musikstudenten sind in Montréal einfach die nettesten, coolsten, tollsten, witzigsten... Nirgends fühle ich mich so wohl wie in dem Studentencafé dort im 8stöckigen Gebäude auf dem Berg.
Und wenn ich Berg sage, meine ich Berg im schweizer Sinne und nicht im Osnabrücker-Wester- hügelchen-berg-Sinne. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, ob ich im Winter bei Eis und Schnee dort ohne Spikes und Hacke hochkommen soll. Ich glaube, ich frage mal bei der Unidirektion nach, ob sie einen Sessellift installieren können. Und es ist so fies, dass er auf dem Foto hier gar nicht so schlimm aussieht. Aber es ist hart, ehrlich!
Idyllisch,nicht wahr?
Eigentlich muss ich aber auch nur ein Mal in der Woche dort hoch, nämlich donnerstags von 13-16 Uhr. Zu dieser zeit besuche ich den Kurs "Schreiben und analysieren 3" mit meiner Fast-Nachbarin Anne-Élyse zusammen. Manchmal kriegen wir nix mit, da wir zu viel quasseln, meist aber passen wir doch genaug auf, um immerhin mitzukriegen, dass die Professorin wieder mal die Kopien oder Hausaufgaben vergessen hat. Haarsträubende Geschichten werden uns da erzählt, von der Professorin, die Tag und Nacht an dem 12seitigen Handout gesessen hat, Noten kopiert, Beispiele ausgeschnitten uns aufgeklebt hat, um eine Kopiervorlage zu erstellen (und das im Zeitalter der Computer) und dann kommt ihre Schwester, nimmt aus Versehen die Blätter mit, hunderte von Kilometern weit weg in ihr zu Hause und wir Studenten werden auf nächste Woche vertöstet.
Abgesehen davon ist der Kurs aber genau das, was ich für meine Examensklausur als Vorbereitung brauche. Wir analysieren zwar nach der Stufen- und nicht der Funktionstheorie, aber ich lerne trotzdem viel nützliches und werde mir einen Schein in Osna anerkennen lassen. Und wieder ein Stück näher gen Ende.
Nett ist auch, dass ich in dem Kurs vom Assistenten immer auf Deutsch begrüßt und verabschiedet werde, seitdem er einmal die fehlende Professorin vertreten hat und jeden mit Hilfe der Kurs-Namensliste begrüßt hat und - wie jeder Québecer - über meinen Nachnamen gestolpert ist. Woraufhin ich ihm erklärt habe, dass ich aus Deutschland komme und nach der Pause haben wir dann nur noch Bachchoräle analysiert :-).
Eigentlich bin ich aber viel häufiger im Musikfachbereicht, da ich mir für knapp 40 Euro eine Überlaubnis bis Weihnachten erkauft habe. Hätte ich mich doch nur gleich in Musik eingeschrieben...
Aber immerhin habe ich so einen Motivationspunkt mehr und ich nutze ihn auch, meist vor oder nach dem Badminton abends oder eben am Wochenende. Klappt auch ganz gut. Manchmal habe ich länger Uni, manchmal gehe ich abends noch Badminton spielen und schaue davor oder danach nochmal für eine Weile im Fachbereich vorbei. Eslkässt sich echt gut üben, wenn man absolut keine Ablenkung hat. Fies ist nur, dass in jeder Tür ein kleines Fenster ist und somit muss ich mich immer schämen, wenn von draußen jemand reinguckt und ab sofort mein Gesicht mit Klaviermisshandlung in Verbindung bringt...
Naja, aber süß sind die Übezellen schon, ne? auf der einen Seite hat man einen schönen Wald vor dem Fenster wir auf dem Bild und auf der anderen Seite guckt man hierdrauf:
Krass, oder??? Hier die Möglickeit mich um die Übezelle oder den blauen Himmel zu beneiden oder um Tipps für das Bergsteigen abzugeben.