Susi Sonnen-scheint mal ganz woanders

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Ich mag die Natur, ich mag Sonne, ich mag Seen, Wasser, Campen,... aber ob ich Kanufahren mag, oh jeh, das weiss ich nicht...

Es ging alles so harmlos los. Sonne, 20 Grad, leichter Wind, gute Laune, viel Essen im Gepaeck und ein toller Naturpark mit vielen, vielen Seen. Wir sind Samstag früh von St. Gabriel aus mit dem Auto von Flore Richtung Réserve faunique de la Mastigouche gestartet. Für meine Begriffe waren wir etwas überpackt mit einem Zelt, zwei Schlafsäcken, drei Isomatten (zwei für die Frostbeule Susi) einem voll gepackten Wanderrucksack, einer Kühltruhe, einem kleinen Rucksack, einem wasserdichten Sack *man weiß ja nie* zwei Schwimmwesten und einem Kanu(welches zu der Zeit noch am See lag). Aber gut, was muss, das muss.

In dem Park selber waren wir schnell, nur innerhalb des Parks sind wir noch eine Stunde bis zum Startpunkt unserer kleinen Tour gegondelt. Und, nunja, wie soll ich's sagen, ein Ford Escort ist kein Jeep und ein Naturpark hat keine befestigten Straßen :-) Meine alte Reiseübelkeit zeigte mal wieder kein Erbarmen mit mir als wir über die Schotterstraßen gehoppelt sind, das Mittagessen war auch noch in der Truhe und als ich mir dann letztendlich Marshmallows in den Mund gestopft habe um das komische Reiseübelkeitsgefühl loszuwerden, dann wurde mir einfach nur richtig schlecht!

Schließlich dann aber doch irgendwie angekommen, bot sich uns ein atemberaubender Ausblick auf unseren ersten See, den Lac au Violon:

Von hier aus hatten wir zwei Möglichkeiten: entweder direkt starten und dann einen halben Kilometer das Kanu plus Gepäck durch den Wald tragen oder nur das Kanu aufs Dach drauf packen und dann zu dem anderen See fahren, an dem unser Schlafplatz sein sollte. Wir zwei Faulpelze natürlich gleich Kanu rauf aufs Dach und dann das Auto nach Möglichkeiten abgesucht, Seile zu befestigen, damit das Kanu auch brav jede Kurve mitmacht, die wir gedenken zu fahren. Pustekuchen, nichts gefunden. Also dann, das Spiel rückwärts: Kanu wieder runter. Zum Glück hatten wir das letzte zu vermietende Kanu aus festem, schweren Plastik und nicht die hochmodernen superleichten aus Glasfasern... grrrrrrrrrrrrrr...

Aber wir lassen uns ja nicht lumpen, wir machen auch eine "Portage". So nennt man das Kanuschleppen. Irgendwie hat das ja auch was Nostalgisches, denn die Entdecker dir früher über das Land gestreift sind mussten das schließlich auch machen, wenn ein See zu Ende war. Und bis auf wenige große Seen, gibt es hier viel eher viele kleine, das heißt man musste früher auch laufend sein Schiffchen herumtragen, wenn man was erleben wollte.

Gut, es ging dann auch relativ schnell los mit Paddeln. Gepäck ins Kanu, Susi rein, Christophe schiebt das Boot ins Wasser, hüpft selber dazu und wusch, unser Schicksal sei dem Wasser übergeben. Eigentlich ging das Paddeln ganz gut. Ich saß vorne, also jeglicher Steuerungsverantwortung entzogen und freute mich einfach nur an dem wahnsinnig blauen Himmel und dem fast schwarzen Wasser. Nach zwei Minuten auf dem See stellte sich allerdings die erste unsichere Frage: Wo genau müssen wir ans Uer um zu dem neuen See zu gelangen??? Keine Karte, kein Schild, nur drei Kanus auf dem See, die plötzlich alle in unsere Richtung paddelten...

Es stellte sich heraus, dass diese sechs Leute schon seit ca. einer Stunde den See abpaddelten um genau die Stelle zu finden, die wir auch suchten. Aber haha, scharf kombinieren: die Anderen sind einmal komplett um den See, aber links herum, wir sind gleich rechts herum gestartet, also müsste hinter der nächsten Bucht... JAAAAAA, genau dort war das kleine unschuldige nette gelbe Schild mir einem Strichmännchen und einem geschulterten Kanu. Klein und unschuldig... oh nein, nicht mit unserem 10-Tonnen-Kanu!!!

Es war die reinste Tortur. Zuerst das ganze Gepäck auf einmal, knapp einen Kilometer durch den Wald. ich stolperte über jede Wurzel (davon gibt es doch einige in einem Wald), rutschte auf jedem Stein aus und die Matschpfützen habe ich immer erst im letzten Moment gesehen. Total abgekämpft fanden wir uns auf einer kleinen Lichtung wieder. Ein Schild nach links "Lac Sarcelles", ein Pfad geradeaus, ein Pfad halbrechts, eine Brücke rechts und nach der Brücke noch einmal drei Pfade, wovon einer "sentier" hieß (oho, kreativ!). Nur "Portage auch Lac sans bout", das was wir suchten stand nirgends...

Christophe, der Kanadier, der Mann der Wildnis bot sich heldenmutig an, ein paar der Wege auszuprobieren und ich wartete mit dem Gepäck. Oh weh, ihr glaubt gar nicht, wie leer so ein Wald in der Wildnis sein kann. Zum Glück war es noch Tag. Nach ca. 15 Minuten kam Christophe wieder, aber ohne Erfolg, er hatte keinen See gefunden. Was nun? Ich lasse meinen Blick schweifen.. hey, da vorne, glitzert da nicht Wasser? und hastdunichtgesehen habe ich mit meinem deutschen Instinkt den richtigen Pfad zum See gefunden. Eins zu Null für Susi! Der Nachteil aber, den Weg gefunden zu haben hieß: Gepäck hinbringen, zurück zum Boot und dann Kanu tragen. Das sch*** Ding war so schwer, aber sooo dermaßen schwer, ich habe es fast nicht geschafft. Alle 10 Meter eine Pause, Blasen an den Händen (man trägt ein Kanu an Schlaufen an den beiden Enden), Zerrungen in den Armen und ich dachte die ganze Zeit nur: Toll, und für sowas zahle ich auch noch Geld???

Irgendwie haben wir dann aber doch alles geschafft und der Ausblick auf den See, nachdem wir aus der ersten Bucht herausgepaddelt waren, war wirklich wunderschön. Der "Lac sans bout" ist ein relativ langer aber recht schmaler See, der ein bisschen wie ein "L" geformt ist, nur buchtenreicher und ca. 20 km lang (von einem zum anderen Ende). Auf dem See haben wir uns erstmal treiben lassen, eine leichte Brise wehte uns in die richtige Richtung und wir haben unsere Sousmarins gegessen. Und dann gabs nur noch paddeln, paddeln, paddeln, in die untergehende Sonne -

- bis dann irgendwann die Frage aufkam: Wo ist eigentlich der Zeltplatz? Man muss sich das so vorstellen, dass der See komplett von dichtem Wald umhüllt ist, aber an ca. 10 Stellen ein wenig Platz gemacht wurde, um Zelte aufzustellen. Diese Plätze liegen weit genug voneinander entfernt, dass man immer noch das Gefühl hat, alleine in der Wildnis zu sein, aber ein wenig mehr Leute die Gelegenheit haben, ein Camping am See zu machen und schließlich der Förster den Überblick behält, weil somit nicht wild gecampt wird.

Aber auch den Platz haben wir gefunden. Wirklich schön in einer kleinen Bucht gelegen und so ruhig! Schnell das Zelt aufgestellt, uns mit Mückenschutz eingerieben und dann ein Lagerfeuer, Rotwein und Nudelsalat, zusehen, wie die Sonne untergeht und die Sterne langsam sichtbar werden... erst zwei, dann zehn, dann 100, dann... wow, unglaublich viele! Selbst im Zeltlager habe ich noch nie so viele auf einmal gesehen. Sterne waren aber auch das einzige, was man entdecken konnte (außer Fleder- und normalen Mäusen)und somit krochen wir müde und glücklich ins Zelt...

Aber dann, der nächste Tag! Regen, Regen, Regen, und nochmals Regen. Wir haben im Regen gefrühstückt, im Regen gepackt, im Regen ins Boot gesiegen und im Regen gepaddelt! Das war ein Sch...! Blöderweise hatten wir auch noch Gegenwind und somit hat es einfach keinen Spaß gemacht. Ich bin in meinen Schuhen geschwommen, die Jeans waren komplett durchweicht und der Wind pfiff so stark in den Ohren, dass ich meine Mütze und Kapuze aufhatte um nicht total auszuflippen. Und dann auch noch die Suche nach der Stelle für die Portage: Jetzt wissen wir wo der Name des Sees herkommt!!! Schließlich hat doch alles geklappt und auch wenn ich echt nicht mehr konnte (irgendwann fühlt man seine Arme nicht mehr) mussten wir noch den halben Kilometer alles wieder zurückschleppen. Mensch, war das schön im Auto zu sein! Und erst das kochend heiße Bad in St. Gabriel hat mich wieder zum Leben erweckt. Naja, es war eine Erfahrung mit schönen und weniger schönen Momenten. Ich würde es sicher nochmal machen, aber dann ohne Regen und ohne Portage!!!

Mitfühlende Worte für Susi

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